8
8
7
7
6
6
5
5
4
4
3
3
2
2
1
1

Werkstoff Reet

Reetdächer gehören zu Sylt wie der Sand zum Strand und verleihen den Häusern ein markantes Gesicht. Seit jeher gelten die bräunlichen Halme als das bevorzugte Material zur Dacheindeckung.
Noch im Jahre 1828 fand sich auf ganz Sylt „kein Haus mit Ziegeln bedeckt als nur eine einzige Schmiede“, vermerkte ein Chronist. Doch nicht nur die historischen Friesenhäuser – etwa 200 sind auf Sylt noch existent – sind mit Reethalmen eingedeckt: Auch bei Neubauten entscheiden sich viele Bauherren für diese wirkungsvolle Optik.

Reet ist eine Schilfpflanze aus der Familie der Süßgräser. Sie erreicht binnen eines Jahres eine Höhe von etwa drei Metern, bevor sie nach den ersten Frösten abstirbt: Die Halme werden goldbraun und verlieren ihre Blätter. Nun ist das Reet erntereif. Während die Dächer der Sylter Häuser früher mit heimischem Reet gedeckt wurden, steht heute der größte Teil der Sylter Reetflächen unter Naturschutz, so dass man auf Importware aus Ländern wie der Türkei, Österreich, Ungarn und sogar schon aus China zurückgreifen muss.

Der ökologische Werkstoff Reet vereint mehrere vorteilhafte Eigenschaften: Seine Elastizität, Festigkeit und Tragfähigkeit machten es widerstandsfähig gegen die Witterungseinflüsse. Reet verrottet nur langsam, so dass Reetdächer besonders langlebig sind. Zudem ist es ein schlechter Wärmeleiter mit hoher Isolierung und ersetzt gleichsam eine Klimaanlage – im Winter speichert Reet im Haus die Wärme, im Sommer sorgt es für luftige Kühle.